Es war einmal...

01. November 2010

Als mir der Arzt sagte, dass ich schwanger bin, konnte ich nichts weiter als weinen. Ich fühlte mich wie gelähmt, als würde ich innerlich zerbrechen. Es passte nicht. Es war der schlechteste Zeitpunkt, den man sich denken konnte. Ich hatte mir immer gewünscht, geplant und gewollt schwanger zu werden. Mich darüber zu freuen, vor Glück zu weinen, es meinem Partner zu sagen und seine vor Freude glänzenden Augen zu sehen.

Und nun saß ich hier, von aller Welt verlassen, keine Freunde oder Familie in der Nähe, niemand mit dem ich über das Geschehene und Bevorstehende reden konnte. Niemand den ich um Rat fragen konnte, der mich auffing. Der Arzt entließ mich in die weite Welt und ich machte mich auf den Weg, um mein Leben zu sortieren. Jedenfalls hatte ich das vor. Es kam dann alles etwas anders - aber das ist eine andere Geschichte!

 

 

10. November 2010

Oh man, mir ist so schlecht. Ja, es stimmt. Ich gehöre wohl zu den 70%, die von Übelkeit geplagt werden... Naja, da muss ich jetzt durch! Außerdem habe ich aufgehört zu rauchen, was mir komischerweise gar nicht so schwer gefallen ist. Ich versuche mich im Moment so viel wie möglich mit dem Thema Schwangerschaft auseinander zu setzen, das lenkt mich ganz gut von der Trennung zum Vater des Kindes ab und ich konzentriere mich ganz auf mich selbst. Bis jetzt wissen von der Schwangerschaft nur zwei meiner besten Freundinnen und der Vater des kleinen Etwas'. Ich weiß momentan nicht, ob ich das Ganze durchziehen soll. Ach, man... ich weiß, das klingt hart. Und eigentlich dachte ich auch immer, dass ich mich unter solchen Umständen gegen ein Kind entscheiden würde. Aber jetzt... ich bin ja erst in der 5ten Schwangerschaftswoche, ein bisschen Zeit bleibt mir noch. Und diese Zeit werde ich mir nehmen. Es geht hier schließlich um mehr als um die Frage, ob ich Schoko- oder Vanilleeis will (wobei mir solche Fragen schon oft den letzten Nerv geraubt haben ;) !). Ich bin verdammt nochmal ziemlich jung und was meine Eltern zu der Schwangerschaft sagen werden, will ich mir gar nicht vorstellen.

 

 

12. November 2010

Es ist echt verwunderlich, wie schnell und stark sich auf einmal meine Wahrnehmung ändert. Liegt wohl an den Hormonen, die meinen Körper durchfluten. :) Immer noch in der 5 Ssw fühle ich mich total verändert. Ich nehme auf einmal Dinge an mir wahr, die ich vorher nicht gespürt habe. Es ist wie ein Zauber! Ich weiß nicht genau, wie ich dieses Gefühl einordnen soll... vielleicht sollte ich es aber auch einfach zulassen!

So viele Dinge muss ich vorbereiten und planen, Verhaltensweisen muss ich ändern, Arzttermine einhalten und noch vieles mehr, sodass mir fast schwindelig wird. Auf einmal geht alles ganz schnell. Ich habe sehr lange mit einer Freundin über das Thema Schwangerschaft geredet und natürlich auch darüber, dass ich wenn ich mich für das Kind entscheide, alleinerziehende Mutter sein werde, was ja auch nicht zu unterschätzen ist.
Mein angestrebtes Studium müsste dann erst einmal warten und auch das Partyleben wäre abgeschrieben...

Jetzt bleibt nur noch die große Hürde, es meinen Eltern zu sagen. Mein Omi hat es glaube ich schon bemerkt. Sie merkt so etwas immer total schnell... sie hat mir auch schon so komische Fragen gestellt. Hm, vielleicht sollte ich mich ihr als erstes anvertrauen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie mein Vater reagiert. Er wird mich wahrscheinlich zwingen, es abzutreiben. Ich würde ja mein Leben wegschmeißen und so weiter. Ich habe Angst!

 

 

16. November 2010

Okay, ich habe mich entschieden: Ich werde nicht abtreiben.

Man, das ist ein Lebewesen da in mir... ein atmendes Etwas, was nur durch mich überleben kann. Das mein Erbgut in sich trägt und ja... wie man es immer so schön sagt: es ist ein Wunder! Und genau so fühlt es sich an. Jetzt, da ich meine Entscheidung getroffen habe, geht es mir viel besser. Ich habe eine Aufgabe und ein Ziel, für das es sich lohnt zu kämpfen und einzustehen. Ich werde versuchen dem Kind alles zu geben, was es braucht. Liebe. Liebe und Liebe. Oh man, ich bin so aufgeregt, dass meine Hände zittern. Ich werde natürlich versuchen, den Vater des Kindes von meiner Entscheidung zu überzeugen, bzw. ihm das Ganze wenigstens zu erklären. Es wäre so schön, wenn das Kleine mit Vater aufwachsen könnte! Jetzt muss ich aber ersteinmal zur Ultraschalluntersuchung, noch erkennt man nur einen kleinen Zellhaufen. :)

 

 

 

19. November 2010

Ich habe es meinen Eltern gesagt. Sie waren geschockt, sauer und vorallem mein Vater will, dass ich es nicht bekomme. Meine Mutter kann zwar verstehen, dass ich nicht abtreiben will, ist aber mit der ganzen Situation komplett überfordert und hat mir auch keine Unterstützung angeboten oder so. Naja... ich muss da wohl alleine durch! Es schmerzt, diesen Text zu schreiben...

 

 

 

01. Dezember 2010

Oh mein Gott!! Ich habe das Herz schlagen sehen!!! Ich raste aus!!! :D

Okay, beruhige dich, Victoria. Aber es ist schon ein wunderschönes Gefühl. Sogar das kleine Köpfchen konnte ich erkennen. Sooo süß! Ich wusste wiedermal nicht, ob ich weinen oder lachen sollte. Die ganze Situation hat schon etwas tragisches. Mit dem Vater des Kindes gibt es nur Streit... dabei ist das Einzige, was ich will, ihn hier an meiner Seite zu haben. Er soll die Entwicklung doch mitverfolgen und sich genau so freuen, wie ich mich. Hm, außerdem bleiben die Gefühle für ihn in mir, wie ein Anker. Wir haben so viel miteinander erlebt und uns so sehr geliebt. Es ist schwierig für mich, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden. Ich würde so gerne um ihn kämpfen - ich bin mir so sicher, dass er der Richtige für mich ist - aber er lässt es nicht zu und blockt jede Kontaktaufnahme ab.

 

 

 

14. Dezember 2010

10te Schwangerschaftswoche. Mein Bauch wird immer runder. Wenn ich Kleidung anhabe, kann ich den Bauch ganz gut kaschieren, aber hebe ich das Tshirt, sieht man eine kleine Wölbung :) ! Auf dem Ultraschall erkenne ich mittlerweile Ärmchen und Beinchen. Ich muss ziemlich häufig zum FA, da ich ja nebenbei meine Antidepressiva nehmen muss und die dem Baby blöderweise ziemlich schaden können. Da will die Ärztin lieber auf Nummer Sicher gehen. Nicht, dass da noch etwas passiert! Ohje, ein wenig Angst habe ich ja schon... aber es bleibt noch genügend Zeit, um sich auf die Geburt und das Leben danach vorzubereiten.

 

 

20. Dezember 2010

Es ist kurz vor Weihnachten und irgendwie macht mich die Situation gerade total zum Nervenbündel. Ich weine sehr oft... ich will nicht, dass das Kind das irgendwie "spürt" und dadurch einen bleibenden Schaden bekommt. Ich hab darüber gelesen, dass sich Streit und Trauer auf das ungeborene Kind negativ auswirken können. Hmm... ich hoffe, meine Sentimentalität liegt nur daran, dass in 4 Tagen Heiligabend ist - meine liebste Lieblingszeit im Jahr. Manchmal komme ich mir vor, als würde ich gerade gar nicht in meiner Haut stecken... so, als würde ich das Leben einer anderen Person leben.

Langsam sieht man mein Bäuchlein immer mehr, es fühlt sich an, als wäre da auf einmal was "im Weg", das nur halb zu mir gehört. Es kommt sogar vor, dass ich nachts aufwache, reflexartig über meinen Bauch streiche und mich erschrecke! Dann muss ich mich nach ein paar Sekunden ordnen und dann fällt mir alles wieder ein. Schon seltsam.

 

 

 

28. Dezember 2010

Weihnachten ist vorbei, Silvester steht an. Ich habe so unglaublich viel gegessen... meine Güte, was ich auf einmal alles verdrücken kann. Haha, ich bin wie so ein Staubsauger. Am liebsten esse ich Babybrei. Manchmal stehe ich sogar nachts auf und mache mir eine Schüssel. Oh man, wie lustig!

Das schlimmste, was ich zur Zeit fühle, ist das Gefühl, alleine zu sein. Ich schlafe abends alleine ein, wache morgens alleine auf und das einzige, was mir ein wenig Trost spendet sind meine Katzen. Vorallem die kleine Madita legt sich immer auf meinen Bauch und schnurrt... so, als würde sie spüren, dass da was drin ist, in der Kugel! :) Meine Freunde besuchen mich oft, für die meisten war es echt ein Schock, zu hören, dass ich ein Kind bekomme. Es kamen dann immer die selben Fragen und erstaunten Blicke. WIrklich? Du willst es bekommen? Wie alt bist du nochmal? Wer ist denn der Vater? Oha, echt, er ist abgehaun? Willst du weiter Studieren? Was sagen deine Eltern dazu? Wie finanzierst du das Ganze? Hast du keine Angst abgestempelt zu werden? Und so weiter, und so fort.... alles berechtigte Fragen, aber sie nerven auf Dauer. Naja, mein Lieblingssatz: Da muss ich wohl durch!

 

 

 

01. Januar 2011

EIN NEUES JAHR HAT BEGONNEN. Neues Glück? Ich warte, mein liebes Glück... wo bleibst du? Haha, neues Glück gibts noch nicht. Dafür viel zu viele sentimentale Lieder (Clueso muss eingesperrt werden!), Fotos (wieso habe ich nur Bilder mit meinem Ex gemacht?), Möbel, Kleidungsstücke, Sätze, Schmuck, Gerüche, Worte, Erinnerungen... ES MUSS ALLES WEG. Warum hat das alte Jahr den Scheiß nicht mitgenommen?? Ich will das nicht mehr, ich will einen Neuanfang und es klappt nicht. VERDAMMT!

So, abreagiert! :) Jetzt werde ich mir erstmal einen Biotee gönnen und meinen Babybauch eincremen. Das mag ich!! Das tut gut und lenkt ab... ein bisschen wenigsten.

 

 

 

09. Januar 2011

Ich habe Geburtstag und das Einzige, was ich mache ist weinen. Ich meld mich wieder, wenn ich nicht mehr so sentimental bin! Bis in einem Jahr...

 

 

 

22. Januar 2011

Okay, ganz ein Jahr war es dann doch nicht, ich gebs zu. Aber das ist auch ganz gut so. Irgendwie muss ich ja weiter machen und irgendwann werde ich auch wieder glücklich, ganz bestimmt! "Es ist nur eine Phase, die du aushalten und irgendwann besiegen wirst", hat mir eine liebe Freundin (Danke, Jennylein!) gesagt. Und so werde ich diesen schmerzhaften Abschnitt der Schwangerschaft durchstehen. Das habe ich mir fest vorgenommen.

Der hauptsächliche Grund für meine Traurigkeit ist glaube ich, dass ich zwar ein paar neue Typen kennengelernt habe, die auch alle super nett und hilfsbereit und so weiter sind... jedoch kann ich sie nicht an mich heran lassen. Es ist, als hätte ich eine Mauer um mich herum aufgebaut. Es tut so weh, alleine zu sein. Es ist wie eine Sucht - man braucht körperliche Nähe, man will angefasst, gestreichelt und geliebt werden. Aber, ich kann es nicht! Es fühlt sich falsch an, fast wie eine Misshandlung. Alles ist falsch, verkehrt. Er riecht falsch, er hat einen falschen Körperbau, seine Haare fühlen sich falsch an, er bewegt sich falsch, er redet falsch!

WIe komme ich da nur wieder heraus?

 

 

 

28. Januar 2011

Mir geht es wieder besser. Ich habe mich mit Babysachen-Shopping abgelenkt :) - es gibt sooo viel, an das man denken muss. Strampler, Socken, Mützchen, Deckchen und so weiter und so weiter und noch tausend mehr! Das lenkt mich ab, das macht mich wieder einigermaßen glücklich.

Es ist schon komisch, dass alle meine Freundinnen immer feiern gehen, Alkohol trinken, rauchen und so... ich gehe zwar auch mal mit feiern, so auf Hausparties und sogar mal auf den Hamburger Berg an einem Donnerstag (aber das dann auch nur in rauchfreie Kneipen und die gibt es eigentlich kaum noch!), jedoch fühlt es sich irgendwie nicht richtig an. Deshalb sindmeine Lieblingsbeschäftigungen zur Zeit Spazieren, Lesen, Kochen und mit meinem dicken Kater kuscheln. Hihi, er gibt mir wenigsten ein wenig Liebe und Wärme. Es ist echt heftig, wie sehr ich mich in den paar Monaten verändert habe. Von der unselbstständigen, feiernden Zicke, zur ruhigen, werdenden Mutter. Oh man, wenn mir das jemand vor nem Jahr gesagt hätte, hätt ich ihn einfach nur ausgelacht.

 

 

 

12. Februar 2011

Mittlerweile kann man schon sehr viel auf den Ultraschallbildern sehen. Vorallem auf den 3D Fotos... das ist echt zu krass! :D

Die Frauenörztin hat übrigens gesagt, es ist eventueller Weise ein Junge. Da ist sie sich aber noch überhaupt nicht sicher... ich bin mal gespannt!!!

Hab grad ne dicke Erkältung, deswegen werd ich jetzt wieder schlafen und mich bald mit den neusten Nachrichten melden. :)

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